Führen und Leiten

Donnerstag, 29. Juni 2006

Menschen in Führungspositionen haben nicht immer angenehme Botschaften zu kommunizieren. Mitunter müssen sie mehr leiten als führen, dass heißt, mehr den betriebswirtschaftlichen Aspekt bzw. den gesamten Prozess sehen als die Person des Mitarbeiters, um die Existenz des Unternehmens dauerhaft zu sichern.

In meiner Beratungspraxis erlebe ich immer wieder, wie sehr Führungskräfte unter dem Spagat „Führen - Leiten“ leiden. Das kann soweit gehen, dass der/die Betreffende nicht nur seine Tätigkeit, sondern gleich seine ganze Person in Frage stellt. Wer möchte schon gerne bei den Mitabeitern als Buhmann abgestempelt und wegen unpopulärer Entscheidungen angefeindet werden? Nicht wenige drohen unter dem Sympathieverlust zu zerbrechen. Oft ist den Betreffenden nicht bewusst, dass sie als Führungskraft sowohl eine leitende als auch eine führende Rolle spielen. Manche kennen den Unterschied zwischen beiden Funktionen nicht einmal. Aus dieser mangelnden Rollenreflektion und Unkenntnis heraus geraten daher viele Führungskräfte ins Schleudern, insbesondere dann, wenn in Unternehmen Changemanagement angesagt ist. Dann zeigt sich, wer als Führungskraft (in beiden Rollen) wirklich überzeugen kann.

Die Zeichen der Zeit in Unternehmen stehen aber nun mal auf Veränderung – alles ist im Umbruch und kein Unternehmen wird sich dem auf Dauer entziehen können. Umso wichtiger ist es, dass Führungskräfte genau unterscheiden, wie und in welcher Rolle sie sich am besten in den jeweiligen Phasen einer Veränderung (Leugnungsphase – Widerstandsphase- Erforschungsphase- Akzeptanzphase) einbringen. Weiterhin ist es wichtig, dass sie sich die notwendige Distanz zum Geschehen wahren, um den Überblick zu behalten.

Ich habe einmal sehr eng mit einem CEO zusammengearbeitet, der es m. E. hervorragend verstand, den Spagat zwischen Unternehmensleitung und Mitarbeiterführung zu meistern. Er war trotz teils heftiger und schmerzlicher Einschnitte, die er zu vertreten hatte, wie Standortverlegungen und Standortschließungen, allseits sehr beliebt.

Das Geheimnis seines Erfolgs war u. a. (und ist sicher immer noch):

  • Bewusste Wahrnehmung seiner Führungs- und Leitungsfunktion
  • Perfekte Balance zwischen Nähe und Distanz
  • Stehvermögen und Durchsetzungskraft
  • Vorbildliches Selbst- Zeit und Zielmanagement
  • Glaubwürdigkeit
  • Großzügigkeit
  • Aufgeschlossenheit
  • Transparente Kommunikation

Wer als Führungskraft die Herzen der Mitarbeiter gewonnen hat, hat es leichter, sie für Veränderungen zu gewinnen und sie erfolgreich durch den Veränderungsprozess zu führen.

Leiten und Führen sind wie zwei Seiten einer Medaille: wer sie sich umhängt, muss beide Seiten sehen und zu beiden Seiten stehen. Das heißt, beide Seiten sollten poliert werden, um damit gut auszusehen.

Abgelegt unter: Allgemein, New Leadership — Dr. Brigitte Wolter @ 10:16

Zehrer oder Vermehrer?

Donnerstag, 22. Juni 2006

Jeder Landwirt weiß, dass es bestimmte Pflanzen (Zehrer) gibt, die dem Boden Kraft entziehen und deshalb nicht hintereinander angebaut werden dürfen, da der Boden ansonsten auslaugt und die Erträge zurückgehen. Deshalb werden in der sog. Fruchtfolge auch solche Pflanzen angebaut, die einzig dem Zweck dienen, dem Boden wieder mit Nährstoffen und Bioorganismen anzureichern, diese Pflanzen zählen zu den Vermehrern. .

Auch beim Menschen kennt man Zehrer und Vermehrer. Die auffälligsten Merkmale der Zehrer –wenn sie in Reinkultur vorkommen- sind u.a.:

  • Egozentrierung
  • wenig Einfühlungsvermögen
  • niedrige soziale Kompetenz
  • Dominanzstreben
  • Single player
  • Autoritärer Führungsstil
  • Smartes Auftreten

Vermehrer hingegen zeichnen sich insbesondere durch folgende Eigenschaften aus:

  • Fähigkeit, zu sich selbst auf Distanz gehen zu können
  • Fähigkeit zur Selbstreflexion
  • Hoher Empathiefaktor
  • Hohe soziale Kompetenz
  • Teamfähigkeit
  • Kooperativer Führungsstil
  • Charismatische Ausstrahlung

Es gibt Zeiten, in denen die Zehrer den Vermehrern das Leben schwer machen können – man sollte sie deshalb jedoch nicht generell verurteilen. Der Landwirt würde schließlich auch keine Zehrer anbauen, wenn er sich nicht einen Gewinn davon verspräche. Und er weiß ja, dass er mit den Vermehrern das Gleichgewicht wieder herstellen kann.

Ohne Vermehrer hätten die Zehrer keine Nahrung ohne Zehrer hätten die Vermehrer keine Chance zum Wachstum. Also haben beide was davon, das eine bedingt das andere.

Vielleicht verhilft diese Sichtweise zu etwas mehr Gelassenheit und Gleichmut im Umgang mit Zehrern. Mitunter sind es gerade die Zehrer, die Vermehrer dazu bringen, sich zu fordern und das Beste aus sich herauszuholen.

Und der Zehrer möge dem Vermehrer dankbar sein (auch wenn Dankbarkeit nicht unbedingt in sein Verhaltensrepertoire passt), dass dieser ihm seine Existenz erst ermöglicht.

Abgelegt unter: Allgemein, Mental Training — Dr. Brigitte Wolter @ 17:40

Positioning

Montag, 19. Juni 2006

Ob Sie angestellt, selbständiger Einzelkämpfer oder Unternehmer sind: immer und überall hinterlassen Sie Spuren. Sie können nicht in Erscheinung treten, ohne dass Sie einen Eindruck hinterlassen. Die vielen Einzeleindrücke summieren sich zu einem Gesamteindruck, den Ihr Umfeld von Ihnen hat. Jeder Aspekt Ihres Auftretens zählt: Ihr Kommunikationsverhalten, Ihr Firmenauftritt, Ihre Produktdesign, Ihr Service, die Art, wie Sie mit Kollegen/ Mitarbeitern / Kunden / Medien umgehen, Ihre Kleidung, Ihr Umgang etc.

Finden Sie heraus, wie Sie wahrgenommen werden. Fragen Sie nach, was und wie Ihre Kunden über Sie denken und sprechen und wie sie Sie beschreiben würden? Welches Bild von Ihnen existiert in der Öffentlichkeit? Wer genau sind Ihre Kunden?

Nur wenn Ihre Kunden Sie positiv wahrnehmen, werden Sie bereit sein, Sie zu fördern, mit Ihnen zu kooperieren bzw. von Ihnen zu kaufen.

Überlegen Sie, was Sie ändern müssen, damit das Bild, das Sie abgeben, Ihrer Vorstellung entspricht. Entwickeln Sie einen Plan, um konsequent Ihr Image aufzubauen. Dieser Faktor wird gerne, weil nicht so greifbar, vernachlässigt und unter „nice to have“ aber nicht unbedingt so wichtig abgelegt. Diese Einstellung führt bei Angestellten dazu, dass sie ohne Imagebewusstsein ihrer Arbeit nachgehen und sich wundern, warum andere, vielleicht weniger talentierte, dafür aber glasklar positionierte auf der Karriereleiter an ihnen vorbeiziehen.
Unternehmen, die glauben, mit einer einmaligen (low budget) Investition in Logo und Internetauftritt sei es getan, müssen sich nicht wundern, weshalb Ihr Image schwach bzw. im Bewusstsein der Kunden kaum vorhanden oder sehr diffus ist.

Viele Unternehmen sind immer noch viel zu sehr mit sich selbst als mit ihrer Außenwirkung beschäftigt.

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Fakt ist jedoch, dass die Meinung, die Ihre Kunden von Ihnen haben, darüber entscheidet, ob Sie erfolgreich sind oder sind. Das Verhältnis zu Ihren Kunden erfordert daher Ihre ganze Aufmerksamkeit; sorgen Sie dafür, dass Ihre Kunden ein klares Bild von Ihnen haben und dass dieses Bild in allen Erscheinungsformen einen starken, positiven Eindruck hinterlässt.

Abgelegt unter: Allgemein, Karriere — Dr. Brigitte Wolter @ 09:50

Das Gesetz der Selbsterkenntnis

Freitag, 16. Juni 2006

Sind Sie auch schon einmal, etwa bei einem Einstellungsinterview, nach Ihren Schwächen gefragt worden? Fakt ist, dass jeder Mensch sie hat und selbst die erfolgreichsten mehr Schwächen als Stärken haben. Kein Wunder, denn niemand ist perfekt und auch Sie sollten sich nicht dem Stress aussetzen, zu 100 % perfekt sein zu wollen. Der Frage nach Ihren Schwächen können Sie also gelassen entgegen sehen, sofern Sie diese auch kennen.

Denn um die Frage souverän zu beantworten, ist es wichtig, dass Sie sich selbst zuvor intensiv analysiert und sich dabei nichts vorgemacht haben. Warum auch? Wie gesagt- jeder Mensch hat Schwächen, entscheidend ist der Umgang damit: Wenn Sie durch Selbstanalyse und durch Feedback von anderen herausgefunden habe, was Sie zur Zeit noch davon abhält, erfolgreicher und effektiver zu sein, dann gilt es einen Plan zu machen, um schrittweise die limitierenden Faktoren zu mildern oder abzuschalten. Das heißt z.B., viel Lesen, Kassetten im Auto hören, Seminare besuchen oder vielleicht mit einem Personal Coach arbeiten. Alles, was dazu beiträgt, dass Sie Ihren Horizont erweitern und andere Standpunkte einnehmen und neue Perspektiven entwickeln, bringt sie weiter.

Je mehr Klarheit Sie über sich selbst haben, desto besser treten Ihre einzigartigen Talente und Fähigkeiten zutage und desto klarer und realistischer sehen Sie auch die Stärken und Schwächen in Ihrem Umfeld. Wenn die Dinge nicht so laufen wie gewünscht, dann stellen Sie sich vor, sie wären ein externer Berater und müssten ein Konzept ausarbeiten, um einen Veränderungsprozess in Gang zu bringen. Was würden Sie empfehlen? Aus dieser distanzierten Haltung heraus können Sie viel objektiver sehen, was zu tun ist, um die nächsten Schritte einzuleiten. Und dabei ist es wichtig, dass Sie sich weniger fragen
„Wo komme ich her?“ – „Was ist das Problem?“ als vielmehr: „Wo will ich hin? – Wie sieht die Lösung aus?“

Und nun stellen Sie sich vor, jemand fragt Sie im Interview nach Ihren Schwächen. Sie werden antworten, dass Sie diese intensiv reflektiert und dann entsprechend daran gearbeitet haben. Sie werden sagen, dass Sie Ihre soziale Kompetenz deutlich optimiert haben und dass gerade das Wissen um Ihre kleinen Macken Sie dazu veranlasst hat, noch mehr aus Ihren Stärken zu machen. Denn in zwei Jahren wollen Sie z. B. eine leitende Position einnehmen und um dieses Ziel zu erreichen, haben Sie sich vorgenommen, das Geschäft von der Pike auf kennen zulernen und sich auch persönlich so weiter zu entwickeln, dass Sie diese Position gut ausfüllen können.
Wenn das keinen Eindruck macht….

Abgelegt unter: Allgemein, Life Design — Dr. Brigitte Wolter @ 10:14

Brot und Spiele

Mittwoch, 14. Juni 2006

Schon lange hat man die Deutschen nicht mehr in so guter mentaler Verfassung erlebt, zumal das Echo der Besucher aus aller Herren Länder bisher positiv ausfällt und auch das Wetter sich seit WM-Beginn von seiner besseren Seite zeigt. Schon die alten Römer wussten, wie sie ihr Volk abzulenken hatten: Es geht doch nichts über spannende Spiele und gute Unterhaltung. Im Grunde ist es unerheblich, wer als Sieger vom Platz geht, dabei sein ist alles. In diesem Sinne wünsche ich unserer Elf, dass sie in jedem Fall immer als Gewinner vom Platz geht, auch wenn sie einmal nicht Sieger sein sollte.
Und Deutschland wünsche ich, dass es sich in jedem Fall als Gewinner präsentiert, sei es als glücklicher Sieger der WM, was wir uns ja alle wünschen, oder als souveräner Gastgeber, dem die Freude am Spiel über alles geht, auch wenn andere den Pokal mit nach Hause nehmen sollten.

Abgelegt unter: Allgemein — Dr. Brigitte Wolter @ 10:58

Kommunikation

Freitag, 09. Juni 2006

Es ist immer von Vorteil, das zu verschweigen, was man nicht unbedingt sagen muss.
Chinesische Weisheit

Für eine gelungene Kommunikation ist es wichtig, den anderen so gut es geht zu verstehen und die Botschaften zu deuten, die dieser aussendet. Je besser das gelingt, desto effektiver ist die Kommunikation. Die Kommunikation zu optimieren heißt daher, vor allem die Rolle als Empfänger der Informationen zu verbessern. Für viele ist das ein Paradigmenwechsel, denn es entspricht der Mentalität unserer Gesellschaft, die eigene Überzeugungskraft vor allem in einer dominierenden Senderrolle zum Ausdruck zu bringen. Das Sagen ist wichtiger als das Zuhören. Wir lernen schon von früh auf, wie wir uns wirkungsvoll mitteilen und unser Ego über Sprache darstellen. Wir lernen aber kaum etwas über das richtige Zuhören. Viele, die ihre Kommunikation verbessern wollen, sind erstaunt, wenn zunächst einmal das professionelle Zuhören auf dem Stundenplan steht. Doch immer wieder berichten mir meine Klienten, wie ihre Gespräche durch konzentriertes Zuhören plötzlich viel mehr Tiefe erfahren und mehr Gewicht bekommen.
Im Berufsleben ist gute Kommunikation das A und O und gehört als Teil der Sozialen Kompetenz zu den Schlüsselfaktoren für beruflichen Erfolg. In der Senderrolle ist Effektivität das eine, Effizienz das andere. Wenn ich überzeugt bin, das Richtige zu sagen, muss ich es vor allem richtig sagen. Das Wie der Kommunikation ist von größerer Wirkung als das Was. Und deshalb ist es wichtig, längere Gespräche nicht nur gut vorzubereiten sondern sie auch in einer guten mentalen Verfassung zu führen. Denn Sie haben noch nicht ein Wort gesagt und schon weiß der andere durch Ihre Ausstrahlung und Körpersprache, woran er/sie ist. Ob Sie wollen oder nicht – Sie kommunizieren immer, sind immer auf Sendung. Man kann nicht nicht kommunizieren.

Abgelegt unter: Allgemein, Coaching & Consulting — Dr. Brigitte Wolter @ 08:50

Changemanagement

Donnerstag, 08. Juni 2006

Inspiriert durch einen Vortrag von Rainer Flake beim BankingClub in Frankfurt am 07.06.2006 möchte ich mich heute dem Thema “Veränderung” widmen:

Mit Veränderungen richtig umzugehen, ist nicht immer einfach. Der Mensch neigt dazu, Veränderungen abzulehnen und sich dafür umso lieber in seiner Komfortzone häuslich einzurichten, in der es schön kuschelig und sicher ist und in der keine unvorhersehbaren Probleme auftauchen. Nun funktioniert Leben anders, da Veränderungen ein Zeichen von Lebendigkeit sind. Sie abzulehnen, bedeutet, die Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten, die das Leben bereithält, abzulehnen. Freilich kann man nicht von jedem erwarten, dass er/sie sofort freudig auf Veränderungen anspricht und in Begeisterung ausbricht. Diejenigen, die sich mit Changemanagement befassen müssen, seien es nun Führungskräfte oder Mitarbeiter/innen, können davon ein Lied singen.

Die Erfahrungen aus vielen Veränderungsprozessen in Unternehmen, aber auch aus dem Privatleben, haben gezeigt, dass bei Veränderungsprozesse vier Stadien zu beobachten sind: Die erste Phase ist die Verleugnungsphase, in der die neue Situation nicht zur Kenntnis genommen bzw. „wahr“-genommen wird, so nach dem Motto: „Ich doch nicht“, „Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird“ oder „Das geht uns nichts an, wir sind nicht betroffen.“ Die zweite Phase ist die des Widerstands, in der die Situation/ Veränderung zwar registriert, aber abgelehnt wird. Sie ist gekennzeichnet von Gefühlen der Wut und der Furcht, nicht selten von Existenzangst. In der dritten Phase schließlich dämmert es, dass die Veränderung möglicherweise auch Chancen birgt und dass es sich lohnt, nachzuforschen, wo sich für einen selbst neue Entwicklungsmöglichkeiten erschließen könnten. Und endlich in Phase vier ist die Akzeptanz der Veränderung erreicht, sie wird für gut empfunden und ist bewältigt. Unnötig zu sagen, wie die Leistungskurve während der vier Phasen verläuft: ab Phase eins sinkt sie kontinuierlich ab, um in Phase zwei des Widerstands gegen Null zu tendieren, dann geht es mit Phase drei, der Erforschungsphase wieder aufwärts und erreicht schließlich in Phase vier wieder das Ausgangsniveau, im besten Fall liegt sie sogar höher als vor der Veränderung.

Viele Unternehmen machen den Fehler, dass sie in Unkenntnis der vier Veränderungsphasen quasi mit der Brechstange umorganisieren bzw. neue Strukturen etablieren und sich dann wundern, warum die Mitarbeiter/innen nicht mitziehen bzw. dass allgemein die Produktivität sinkt.
Man muss auch unterscheiden zwischen verschiednen Typen von Mitarbeitern: während die einen eher allem neuen gegenüber aufgeschlossen sind und sich mit Veränderungen leicht tun bzw. sie geradezu herbeiführen, gibt es andere, die sich damit schwer tun und eher das Alte bewahren wollen.

Den weitaus größten Block bilden die Unentschlossenen, die noch nicht wissen, auf welche Seite sie sich schlagen sollen. Besonders diese gilt es, durch vertrauenswirksame Maßnahmen zu überzeugen. Als Mittel der Wahl kommen hier professionelle, transparente und weitsichtige Mitarbeiterkommunikation sowie ein Mix aus Workshops, Einzel Coachings und Teamentwicklungs-seminaren in Betracht. Dieser Aspekt der „Umsetzung“ wird von großen Beratungsunternehmen of vernachlässigt, weshalb auch so viele Fusionen und Umorganisationen scheitern.

Grundsätzlich sollte man Veränderungsverweigerer genauso wenig verurteilen, wie Veränderungsbefürworter euphorisch feiern; die beiden Typen von Mitarbeitern ergänzen sich nämlich wunderbar: denn nicht jede Veränderung ist sinnvoll und ein „Bewahrer“ kann durch seine Kritik und sein Mahnen viel Unheil abwenden, genauso wie der „Veränderer“ den „Bewahrer“ aufrüttelt, wenn er durch stures Beharren auf alten Strukturen notwendige Erneuerungen verhindert und dadurch die Zukunft aufs Spiel setzt.

Auf jeden Fall sollten Führungskräfte, die Changeprozesse durchlaufen, sich die Veränderungsphasen und die verschiedenen Veränderungs-Typen bewusst machen; wichtig ist auch, sich darüber klar zu werden, zu welchem Typ sie selbst gehören bzw. in welcher Phase sie sich selbst gerade befinden. Um sich selbst viel Leid zu sparen und die Nerven zu schonen, ist es außerdem zu empfehlen, sich von der Vorstellung zu verabschieden, dass Veränderungen durch entsprechende Maßnahmen voll beherrschbar sind. Da es sich um einen Prozess handelt, ist die Entwicklung nicht linear überschaubar sondern folgt ihren eigenen Gesetzen. Das vertrauensvolle Mitschwingen und Mitfließen sind hier wichtiger als wilder Aktionismus und Perfektionismus.

Abgelegt unter: Allgemein, New Leadership — Dr. Brigitte Wolter @ 15:43

The second wind

Donnerstag, 01. Juni 2006

Mitte letzten Monats war ich auf einer Veranstaltung in Frankfurt,
der Internationalen Businesskonferenz 2006, zu der als Hauptredner der Weltstar und Business Guru Dr. Peter J. Daniels, aus Australien angereist war. Der mittlerweile über 70 Jährige verstand es ausgezeichnet, die rund 2000 Teilnehmer in seinen Bann zu ziehen, was sicher auch daran lag, dass sich Dr. Daniels als Selfmade Multi-Millionär im Hinblick auf die zentrale Frage der Konferenz „How can I make money?“ der vollen Aufmerksamkeit des Publikums sicher sein durfte.
Die Veranstaltung war sehr stark christlich angehaucht und von ansprechenden, religiösen Musikeinlagen begleitet, wobei Dr. Daniels ja auch bekennender Christ ist. Abgesehen davon, dass ich zeitweise den Eindruck hatte, mich im Film Sister Act zu befinden und mir das gebetsmühlenartige Amen meiner Sitznachbarin etwas des Guten zuviel erschien, war diese Veranstaltung in vielerlei Hinsicht für mich sehr interessant:

Die Geschichte von Dr. Daniels ist die Geschichte eines Spätzünders, der mit 26 Jahren noch Analphabet war und als Maurer sein Geld verdiente. Nachdem ihm durch religiöse Erleuchtung klar wurde, dass er sein Leben ändern musste, begann er, lesen zu lernen und verschlang unzählige Bücher zu den Themen Leadership, Management, Business, Geld, etc.. Er machte sich selbständig und musste erst dreimal scheitern, bis es ihm schließlich doch gelang, im Immobilien-und Bankgeschäft erfolgreich Fuß zu fassen und ein Imperium aufzubauen. Laut Dr. Daniel ist das größte Hindernis auf dem Weg zum Erfolg die Furcht und zwar die Furcht vor Veränderungen und die Furcht davor, Geschäfte zu machen. Veränderungen müssten jedoch angenommen werden, denn nur so sei persönliches Wachstum erst möglich.

Eindringlich wies er darauf hin, dass wir uns in einer Art des „Kalten Friedens“ befänden, da der Kampf um die Weltmärkte längst begonnen hätte. In diesem größten Wirtschaftskampf aller Zeiten würde es nur wenige Gewinner, aber viele Verlierer geben. Auf die Frage, wie man am besten darauf reagieren kann und wie man ein/e erfolgreiche/r Unternehmerin wird, gab er in etwa folgenden Rat:

-An einen großen Traum glauben bzw. einen zweiten Traum träumen, wenn
ein anderer stirbt, d.h., den zweiten Wind “the second wind„ in petto haben

-Ehrlich zu sich selbst sein und sich selbst nichts vormachen

-Leidenschaft entwickeln für das, was man tut – Langeweile paralysiert

-Die Kraft zum Träumen stärken – ohne Spiritualität kein Traum, ohne Traum
kein Erfolg (Misserfolg= „Ich habe nie groß genug geträumt“)

-Die Kraft zur Disziplin aufbringen

-Ein Ziel definieren und dieses mit Unterzielen schriftlich fixieren

-Die Fähigkeit entwickeln, Frust und Schmerz auszuhalten und
konstruktiv damit umzugehen

-Den Preis bezahlen, den man bezahlen muss, um weiter zu kommen

-Großzügig geben – es kommt immer irgendwie zurück

-Das Gesetz vom Säen und Ernten konsequent anwenden

-Geschäftspartnern wohlwollend begegnen:
“love in business – if it doesn’t work double the dose!”

Nun sind diese Ratschläge nicht unbedingt neu, aber durch die persönliche Note von Dr. Daniels dann doch wieder einmalig. Ich habe an diesem Tag wahrgenommen, wie hungrig die Menschen nach spiritueller Nahrung sind und ich habe erlebt, was charismatische Ausstrahlung ausmacht.
Dr. Daniels hat vor allem durch konsequentes Mentaltraining, Disziplin, Ausdauer und Beharrlichkeit und durch einen unerschütterlichen Glauben seinen Erfolg begründet. Und das sagt er auch seinen „Jüngern“ nach dem Motto, “Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott”, denn

Gott liebt die, die sich als Schöpfer verstehen, also nach seinem Ebenbild sind

- und so sollte es ja sein.

Abgelegt unter: Allgemein, Mental Training — Dr. Brigitte Wolter @ 17:22