Reflektionen zum Forum Mittelstand 2006 des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft BVMW am 18.10.2006 in Bonn

Freitag, 20. Oktober 2006

Bei der hochkarätig besetzten Tagung mit Referenten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Politik im repräsentativen Plenum des Sponors T-Mobile Deutschland ging es um das Thema Innovation durch Kooperation und die Bedeutung von Netzwerken. Dass vor allem der Mittelstand im Fokus der Veranstaltung stand, trug der Tatsache Rechnung, dass drei viertel aller Patente aus Klein –und Mittelbetrieben kommen und der Mittelstand zu Recht als Motor der Innovation in Deutschland bezeichnet werden darf.

Doch es ging auch um geeignete Rahmenbedingungen für persönlichen und wirtschaftlichen Erfolg und um die Verhältnisse am Standort Deutschland. Denn die jüngsten erfreulichen Berichte aus der Wirtschaft und vom Arbeitsmarkt über zunehmendes Wachstum und abnehmende Arbeitslosenzahl dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass im Land der Denker und Dichter erheblicher Handlungsbedarf besteht, um den positiven Trend weiter aufrecht zu halten. Alle Vortragenden waren sich darin einig, dass dabei vor allem in Bildung und Forschung der Hebel anzusetzen ist.

Da unser Hauptkapital in unseren Köpfen ruht und Deutschlands internationale Wettbewerbsfähigkeit in erster Linie auf unseren Produktinnovationen/Erfindungen und Dienstleistungen basiert, ist es schon mehr als kurzsichtig, dass so wenig in Bildung und Forschung investiert wird. Der Anteil der Investition beträgt derzeit nur 2,5 % des Bruttoinlandsproduktes BIP – bis 2010 muss Deutschland diesen Beitrag auf 3,0 % steigern, wenn es denn das Lissabon-Ziel erreichen will. Schade und symptomatisch zugleich, dass so ein Ziel von außen und nicht aus dem eigenen Land kommt. Angesichts der steigenden Bedeutung des BRAIN CAPITAL gerade für Deutschland müssen die Ergebnisse der PISA-Studie zum Bildungsstand unserer Jugend mehr als nachdenklich stimmen, ebenso wie die rückläufigen Zahlen bei Abiturienten und Hochschulabgängern.

Bedauerlich und bedenklich ist auch die Tatsache, dass jährlich gut ausgebildete Fachkräfte und hoch qualifizierte Wissenschafter in Scharen das Land verlassen, weil sie im Ausland bessere Rahmenbedingungen und Konditionen vorfinden „Wir gehen dahin, wo Flexibilität und Freiräume sind“ so brachte es Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren in seiner Rede über „Veränderungen durch Innovation“ auf den Punkt. Ziel muss es daher sein, in Deutschland administrative Hemmnisse aus dem Weg zu räumen und Voraussetzungen zu schaffen, die nicht nur den Erfindergeist stärken, sondern auch Anreize geben, dass die Wertschöpfung aus Erfindungen im eigenen Land bleiben und nicht anderen Ländern zugute kommen. “Die Freiheit des Denkens muss auch zur Freiheit des Handelns führen.“ so Mlynek’s Plädoyer für mehr Handlungsfreiheit als Voraussetzung für ein Klima, in dem innovative Prozesse gedeihen können.

Die Appelle waren nicht nur an die Politik adressiert: In der gesamten Gesellschaft muss ein Umdenken im Sinne eines Mentalitätswechsels stattfinden. Wir brauchen mehr Menschen, die den Mut aufbringen, unternehmerisch tätig zu sein. Mario Ohoven, Präsident des BVMW fand in diesem Zusammenhang mit seinem Vortrag über den „Wachstumsmotor Mittelstand“ leidenschaftliche Worte, als er von den Erfahrungen aus der WM 2006 sprach, von der großen Begeisterung und des neu erwachten Selbstbewusstseins der Deutschen und dass dieser Effekt auf der Vision eines einzelnen beruht, nämlich Jürgen Klinsmann (siehe auch Klinsmann-Effekt). „Man kann von Jürgen Klinsmann siegen lernen“ so sein Fazit. Begeisterung für die Aufgabe, exzellentes Beziehungsmanagement und Positionierung durch Profilierung sind die Schlüsselfaktoren für persönlichen und unternehmerischen Erfolg.

Und hier ist ganz klar auch der Mittelstand angesprochen: Angesichts der Tatsache, dass 80 % der mittelständischen Unternehmen mit Me-Too Produkten am Markt sind, wird die Notwendigkeit des Abgrenzens gegenüber Mitbewerbern offensichtlich. Hier legen mittelständische Unternehmen noch zu wenig Wert auf die Markenbildung, die Markenpflege und die damit verbundene Imageprofilierung bzw. den Imagetransfer. Ohne eine klare Vision und ein professionelles Branding mit einem konsistenten Auftritt in allen Erscheinungsformen des Unternehmens wird es jedoch in Zukunft schwer sein, sich am Markt zu behaupten.

Zur Erfolgssicherung tragen auch immer mehr Netzwerke bei, deren Anzahl in den letzten Jahren rasant zugenommen hat. Der Grund dafür ist in der verstärkten Nachfrage nach komplexen Leistungen zu suchen, die ein einzelner/ein einzelnes Unternehmen nicht anbieten kann. Die komplexere Nachfrage führt demnach immer mehr zu komplexeren Angeboten, die von immer mehr vernetzten Partnern im Sinne eines synergetischen Wertschöpfungsprozesses nach der Gleichung 1+1=3 erbracht werden. Netzwerke können, müssen aber nicht zum Erfolg führen. Voraussetzungen für funktionierende Netzwerke sind laut Gabriele Nitsch (Ges. zur Förderung von Transfer und Innovationen , Universität Bielefeld) gleich gelagerte Zielsetzung, Überschneidungen, Kommunikationsfähigkeit, Vorhandensein von Kernkompetenzen, Interesse am anderen, Vertrauen , das Er‑ Kennen der eigenen Stärken und Schwächen und die des anderen, das Nutzen von Freiräumen, Controlling, Regeln und vorhandene Ergänzungspotentiale.
Wer sich über die Arbeit in Netzwerken ausführlich informieren möchte, der kann dies auf der Messe Net’s work 2007 tun, die am vom 10. bis 11. Mai 2007 im Messezentrum Bad Salzuflen mit den Netzwerkschwerpunkten Gesundheitswirtschaft, Produktion und Bildung stattfinden wird.

Wie wichtig die technischen Vorrausetzung für professionelles Netzwerken sind, dokumentierten die fünf Preisträger des Innovationspreises für Mobiltät Mittelstand, die durch intelligente Nutzung von IuK-Technologie Synergieeffekte geschaffen haben, die so nicht möglich gewesen wären. Wenn es gilt, die Potenziale, die sich aus der IuK-Technologie ergeben, zu nutzen, haben Mitteständler noch erheblichen Nachholbedarf: z.B. im Bereich Beschaffung und Logistik. Auch hier gilt es weiter zu denken: Wettbewerbsfähigkeit bei gleichem Produktportfolio wird immer mehr zu einer Frage der Logistik, nach dem Motto, wer zuerst kommt, malt zuerst.

Denn Offenheit gegenüber neuen Technologien und deren konsequente Integration in die Wertschöpfungskette tragen wesentlich dazu bei, schneller am Markt (time to market) bzw. schneller beim Kunden (time to customer) zu sein. Die Fähigkeit zum Netzwerken und zur synergetischen Vernetzung insbesondere mit Hilfe von IuK-Technlogie wird zum kritischen Erfolgsfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit auf nationaler und globaler Ebene werden. Nur wem es gelingt, sich intelligent in Netzwerke einzubringen, wird auch in Zukunft noch am Markt sein.

Abgelegt unter: Allgemein, New Leadership — Dr. Brigitte Wolter @ 16:19

Keine Kommentare »

Noch keine Kommentare.

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URI

Einen Kommentar hinterlassen

XHTML // Diese Tags können benutzt werden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>
Kommentare werden vom Administrator freigeschaltet.