Das „Fünf-Säulen-Konzept“ der persönlichen Identität
Zu Beginn des Coaching-Prozesses wird oft mit dem sog. Fünf-Säulen-Konzept der Identität nach H. G. Petzold* (Integrative Therapie) gearbeitet. Die Vorteile dieser Methode liegen darin, dass der Coachee sich seiner Identität bewusster wird und erkennt, welche Säulen seines Lebens eventuell in Schieflage geraten sind und wo er aktiv werden muss, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
Das Fünf-Säulen-Konzept der Identität geht von einem ganzheitlichen Verständnis aus: Der Mensch (Leib) ist eine Einheit aus Körper-Seele-Geist in einem bestimmten Umfeld (Kontext) und zeitlichen Verlauf (Kontinuum). Demnach ist Identität nichts Festzementiertes, sondern entwickelt und verändert sich im Verlauf des Lebens (Identitätsentwicklung, Identitätskrisen).
Nachfolgend eine kurze Beschreibung der Fünf Säulen, zu denen jede Person in einem ganz bestimmten Verhältnis steht:
- 1. Säule: Der Leib (Leiblichkeit)
Diesem Bereich ist alles zuzuordnen, was mit dem Leib (Körper und Geist) zu tun hat, z.B. Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Aussehen, Selbstwertgefühl etc. - 2. Säule: Das soziale Atom (soziales Netzwerk)
Diesem Bereich sind die sozialen Bindungen, Beziehungen, Netzwerke zuzuordnen, d.h., die Menschen, die für jemanden wichtig und bedeutsam sind, denen er wichtig ist, mit denen er zusammen lebt und arbeitet. - 3. Säule: Das ökologische Atom (materielle Sicherheit und Eingebundensein in die Um‑/Welt)
Weiterhin wird die Identität beeinflusst von den materiellen Sicherheiten, z.B. Einkommen, Besitztümer, aber auch dem ökologischen Raum, dem sich jemand zugehörig fühlt (Land, Kulturkreis). - 4. Säule: Das Tätigsein/der Beruf (Arbeit und Leistung)
Vor dem Hintergrund, dass der Mensch den überwiegenden Anteil seiner Wachzeit bei der Arbeit verbringt, wird deutlich, wie wichtig dieser Bereich für die Identität ist. Arbeitszufriedenheit, Erfolgserlebnisse, Freude an der eigenen Leistung wirken sich positiv auf die Identität aus; hingegen können freudloses Arbeiten, Arbeitsüberlastung, überfordernde sowie erfüllte oder fehlende Leistungsansprüche die Identität nachhaltig negativ beeinflussen und die anderen Säulen in Mitleidenschaft ziehen. - 5. Säule: Die Zukunft (Vision, Werte, Lebensphilosophie)
Die fünfte tragende Säule der Persönlichkeit und Identität betrifft die persönlichen Werte, Normen und Visionen, nach denen sich ein Mensch ausrichtet. Also das, was jemand für richtig und wichtig in Bezug auf sein Hier und Jetzt und seine Zukunft hält, wovon er überzeugt ist, wofür er eintritt und sich engagiert.