Ladys first: Wie Frauen Karriere machen

Samstag, 30. Juni 2007

Für Frauen ist sehr entscheidend zu erkennen, dass der Weg an die Spitze nicht auf Zufällen beruht, sondern auf einer glasklaren Strategie. Dies trifft zwar auch für Männer zu, aber bei Frauen bedeutet Karriereplanung weit mehr als Berufsziele zu definieren und umzusetzen. Die Lebensplanung von Frauen ist naturgemäß komplexer, denn, sofern Familie und Kinder zum Lebenskonzept dazu gehören, sind weitere Ziele unter einen Hut zu bringen.

Der Faktor Zeit spielt im Leben einer Frau in vielerlei Hinsicht eine besondere Rolle. Es gibt bezogen auf den Beruf bisher eine klassische Drei-Phasen-Teilung: zuerst eine Phase, um sich zu etablieren und “nach oben” zu kommen, dann eine Phase, um eine Familie zu gründen und Kinder aufzuziehen und danach eine Phase, um sich im Beruf wieder voll einzubringen. Mittlerweile werden die Übergänge zwischen den drei Phasen immer fließender, da die gesellschaftlichen und politischen Voraussetzungen für Frauen im Beruf immer besser werden.

Dennoch bleibt eine auf die Berufs- und Lebenszyklen abgestimmte Karriereplanung für Frauen weiterhin eine große Herausforderung.

Karriereguide für Frauen

  • 1. Schritt: Selbsterkenntnis: Dem Leben Sinn und Richtung geben
    Erkennen Sie, was Sie im Leben/ im Beruf wirklich erreichen wollen und was Ihnen wichtig ist. Dazu erforschen Sie sich selbst, machen sich Ihre Werte bewusst, Ihre Stärken und Potentiale reflektieren Ihr Selbst- und Fremdbild und entwickeln erste Ideen für eine Laufbahn, die mit Ihren Werten und Idealen übereinstimmt. Visualisieren Sie, wie Ihr Leben sein soll und lassen Sie dabei Ihrer Kreativität freien Lauf. Je deutlicher Ihr Bild von Ihrer Zukunft ist, desto wahrscheinlicher werden Sie Ihrer Lebensvision folgen.
  • 2. Schritt: Ziele definieren für Leben / Beruf
    Nachdem Ihre Lebensvision klar ist, formulieren Sie Ihre Ziele und fixieren diese schriftlich so spezifisch wie möglich. Bestimmen Sie dabei auch den Zeitpunkt für die wichtigen Dinge in Ihrem Leben. Das schriftliche Fixieren ist deshalb so wichtig, weil Sie im Schreiben die stärkste energetische Konzentration aufbringen, die Sie bewusst aufbringen können. So bekommen Ihre Ziele das notwendige Gewicht.
  • 3. Schritt: Strategie entwickeln, um Ziele umzusetzen
    Aufgrund Ihrer Vielseitigkeit neigen Frauen dazu, sich zu “verzetteln”. Umso wichtiger ist ein schriftlich ausgearbeiteter Plan, welche Maßnahmen wann zu ergreifen sind, um die Ziele zu erreichen. Dieser sollte auch ein Konzept für Ihre Weiterbildung und Persönlichkeitsentwicklung enthalten. Denn um nach oben zu kommen, ist es wichtig zu lernen, wie Sie effektiv kommunizieren, wie Sie als Persönlichkeit auftreten und eine natürliche Autorität ausstrahlen. Vor allem auf Ihre kommunikativen Fähigkeiten kommt es an. Hier müssen Sie wirklich brillant sein, um überzeugen zu können. Ihr Kommunikationsstil sollte unverkennbar sein, sympathisch, verbindlich und eindeutig.
  • 4. Schritt: Die Gefährten
    Sie brauchen unbedingt ein Netzwerk von Mentoren und Förderern, männlich wie weiblich. Deshalb knüpfen Sie so früh wie möglich Netzwerke und bringen Sie sich so oft Sie können in Projekte ein. Übernehmen Sie freiwillig Sonderaufgaben und lösen für andere Probleme. Ihr “Guthaben” wird auf diese Weise wachsen, bis die kritische Masse erreicht ist und Sie von irgendeiner Seite wieder etwas zurück bekommen, vielleicht in Form einer Gehaltserhöhung, einer Beförderung, etc. Betrachten Sie Ihre Vorgesetzten und Kollegen/ Kolleginnen als Ihre Weggefährten auf der Reise zu Ihrem Ziel. Alleine schaffen Sie es nicht.
    Die Frage ist deshalb auch, wer zu Ihrer Referenzgruppe gehört. Umgeben Sie sich mit Menschen, die positiv eingestellt sind und Sie weiterbringen.
  • 5. Schritt: Der weibliche Bonus
    Nutzen Sie bewusst den Synergieeffekt aus weiblicher Intuition, Intelligenz und Talent zum Multitasking (bei Frauen naturgemäß vorhanden). Das heißt, erkennen Sie vorausschauend Chancen, um sich zu profilieren und beeindrucken Sie durch Ihren “Durchblick”, Ihre Vielseitigkeit, Ihr diplomatisches Geschick und Ihr Organisationstalent.
  • 6. Schritt: Höhenluft
    Mit zunehmender Höhe wird die Luft bekanntlich dünner. Damit Sie auch in Top-Positionen nicht außer Atem kommen, brauchen Sie ein Netzwerk aus Verbündeten auf “Augenhöhe” mit denen Sie sich vertrauensvoll austauschen können. Effektives Selbstmanagement und Work-Life-Balance sind jetzt besonders wichtig, damit Sie Ihr Energieniveau halten.
  • 7. Schritt: Weise wählen
    Im Laufe des Lebens ändern sich unsere Einstellungen. Was gestern wichtig war, ist heute ohne Bedeutung. Daher ist es ratsam, sich den Blick offen zu halten für neue Lebenskonzepte, die mit dem gegenwärtigen Lebenszyklus im Einklang sind. Das heißt auch, zu erkennen, wann es Zeit ist, etwas Überholtes loszulassen, sich neu auszurichten und sich neuen, spannenden Aufgaben zuzuwenden.
Abgelegt unter: Frau & Erfolg — Dr. Brigitte Wolter @ 09:53

6 Kommentare »

  1. 1 | Thomas H. Lemke

    Kommentar — 30. Juni 2007 @ 14:52

    Ein schöner Artikel, sicher auch an vielen Stellen hilfreich. Eine Anmerkung möchte ich machen:

    Sie schreiben: “Die Lebensplanung von Frauen ist naturgemäß komplexer” - Im Vergleich wozu? Ich nehme an, Sie meinen im Vergleich zur Lebensplanung von Männern. Ich meine, daß die Lebensplanungen von Frauen und Männern (wenn man das überhaupt so pauschalisieren will) verschieden sein können.

    Sie begründen dann die erhöhte Komplexität damit: “sofern Familie und Kinder zum Lebenskonzept dazu gehören, sind weitere Ziele unter einen Hut zu bringen.” - Das stimmt, Frau Dr. Wolter. Bei Männern ist das übrigens genauso.

    Ich finde es schön,daß Sie Frauen ermutigen, Karriere zu machen. Die Abwertung von Männern und männlicher Lebensplanung dabei finde ich unnötig und schade.

  2. 2 | Dr. Brigitte Wolter

    Kommentar — 30. Juni 2007 @ 19:45

    Hallo, Herr Lemke,

    vielen Dank für Ihren Kommentar zu meinem Artikel. Keinesfalls war es meine Absicht, Männer und männliche Lebensplanung “abzuwerten”. Sorry, wenn das so angekommen ist. Männer, die eine Familie gründen, müssen natürlich auch sehen, wie sie ihre Ziele unter einen Hut bekommen. Für Frauen bedeutet Familie gründen aber immer noch eine größere Zäsur im Leben/Beruf, und ihr Weg ist einfach anders. Weder besser noch schlechter, einfach anders.

  3. 3 | Thomas H. Lemke

    Kommentar — 30. Juni 2007 @ 23:26

    Hallo Frau Dr. Wolter,
    ich bin mir da nicht sicher, ob die Zäsur für Frauen generell größer ist. Das ist von Paar zu Paar sicherlich sehr verschieden. Sie zeigt sich sicherlich auf andere Weise.

    Bei den Männern in meinen Beratungen begegnen mir grob vereinfacht zwei Dynamiken: Die Einen sind sich völlig im Klaren darüber, daß sie bei Familiengründung in Job und Karriere zurückstecken werden, um arbeitsteilig die Familie mitzugestalten. Andere (der größere Teil) geraten mehr oder weniger in den inneren Versorger-Zwang. Was bedeutet: Sie treiben Berufliches und Karriere ab dem Punkt der Familienbildung verstärkt voran, um jeden Preis (auch um den Preis ihrer eigenen Gesundheit), um Frau und Familie versorgen zu können. Solange sie das einigermaßen gut durchstehen, könnte das so aussehen, als hätten sie, den Frauen gegenüber im Vorteil, ungehindert ihre Karriere fortgesetzt. - Wie gesagt: Solange sie das einigermaßen gut durchstehen.

    Ich würde sagen: Wenn Menschen zu Eltern werden, erreichen Sie eine neue Stufe von Verantwortung, die sie vor viele Herausforderungen stellt und eine andere Art von Lebensplanung notwendig macht, unabhängig von ihrem Gechlecht.

  4. 4 | Martin Hömmerich

    Kommentar — 4. Juli 2007 @ 10:35

    Es mag ja sein, dass Männer sich im Job aufreiben, um sich selbst und der ganzen Welt zu beweisen, dass sie der erfolgreiche Ernährer sind - ich (als Mann) finde allerdings die angesprochene “Zäsur” im Leben der Frau wesentlich gravierender.

    Einen persönlichen Angriff habe ich in dem Satz “[…] die Lebensplanung von Frauen ist naturgemäß komplexer […]” nicht sehen können. Klar, dass ein Kind/Kinder Veränderung für beide Partner bedeutet - aber eine Babypause macht meist die Frau. Da finde ich die ermutigenden Worte/Praxistipps des Artikels genau richtig.

    Aber schön zu sehen, dass unsere Gesellschaft schon so weit ist, dass wir nunmehr Verfechter der Rechte von Männern brauchen. ;)

  5. 5 | Michael Walter

    Kommentar — 17. September 2007 @ 13:24

    Sehr geehrte Frau Dr. Wolter,
    bei meinen Internetrecherchen nach einer neuen beruflichen Aufgabe, stieß ich auf Ihren Blog. Und ich frage mich, wann es endlich auch einen Karriereguide für Männer wie mich gibt. Was passiert eigentlich? Nach 4 Jahren als Vollzeithausmann und Kinderbetreuer wird es mir unmöglich gemacht, in den ersten Arbeitsmarkt zurück zu kehren. Eine Arbeitsmarktexpertin sagt mir: “Ach wissen Sie, als Mann haben Sie es ja inzwischen besonders schwer, es sind ja die Frauen, die den Anforderungsprofilen der Unternehmen viel besser entsprechen. Die neuen Alpha-Mädchen und -Frauen besitzen emotionale Intelligenz, Flexibilität und Kommunikationsfähigkeit, sind leistungsfähiger und ehrgeiziger…“
    So wie mir, ergeht es inzwischen vielen anderen Männern, wie ich in meinem verbliebenen sozialen Umfeld deutlich erkennen kann. Dabei bin ich im besten Alter, habe viel Lebens- und Berufserfahrung sammeln dürfen und träume davon, einmal wieder als Kaufmann für Büroorganisation oder einer ähnlichen Tätigkeit arbeiten zu dürfen, einen fulltime-job zu bekommen. Bereit, alles dafür zu tun. Stattdessen friste ich mein Leben als Lagerarbeiter für einen Lohn, der unterhalb der Armutsgrenze liegt. Verlassen von einer hochqualifizierten Karrieristin, deren Kinder ich zu großen Teilen half, mit aufzuziehen, für die es allenfalls ein Luxusproblem war, ob ich oder eine Tagesmutter ihre Kinder betreut. Und ich selbst nur, nach ihrer eigenen Aussage, ein Luxus-Accessoire war. Nun allein stehend und von der Frauenwelt völlig ignoriert. Dabei mit allgemeiner Hochschulreife und sehr fleißig, bescheiden, flexibel …

  6. 6 | Dr. Brigitte Wolter

    Kommentar — 18. September 2007 @ 08:27

    Sehr geehrter Herr Walter,

    mit Ihrem Kommentar, aus dem ich Enttäuschung, Frust und Resignation lese, haben Sie bestimmt den Nerv vieler Männer getroffen. Zwar erlebe ich es oft in meiner Coaching Praxis, dass sich Frauen im Beruf von Männern ausgebremst fühlen und daran gehindert werden, Karriere zu machen. Aber ich höre auch zunehmend die Stimmen von Männern, die im Hinblick auf ihre traditionellen Rollen stark verunsichert sind und mit dem „Typ Karriere-Frau“ beruflich wie privat „nicht mehr zu Recht kommen“. Die Reaktionen auf diesen Artikel zeigen einmal mehr, wie viel Sprengstoff dieses Thema für beide Seiten birgt.

    Zukunftsforscher sprechen übrigens schon von einer „weiblichen Zukunft“, einer Art von Matriarchat im Berufs- und Privatleben. Die Frage ist, wie Männer und Frauen mit diesem Rollenwechsel umgehen wollen und werden und was beide dazu lernen müssen, um ein harmonisches Miteinander in gegenseitigem Respekt zu ermöglichen.
    Ihnen wünsche ich, dass Sie die Kraft aufbringen, sich neue Umstände zu schaffen, in denen Sie wieder eine für Sie sinnvolle Tätigkeit finden und die Wertschätzung und Anerkennung erfahren, die Sie für sich beanspruchen.

    Herzliche Grüße
    Brigitte Wolter

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