Auf der Suche nach dem Glück nicht unglücklich werden…

Dienstag, 19. Februar 2008

Im Laufe der Evolution hat der Mensch Glücksgefühle entwickelt, die sich als Belohnung dann einstellen, wenn er etwas für seine Arterhaltung oder Fortpflanzung getan hat. Allerdings haben unsere Vorfahren diese Glücksgefühle nicht unbedingt ausgelebt, sondern haben es vielmehr vorgezogen, weiter auf der Hut zu sein und in ihren dunklen Höhlen zu bleiben, aus Angst im Rausch der Gefühle von einem Säbelzahntiger gefressen zu werden. Mit dieser rund 40000 Jahre alten mentalen Software der pessimistischen Höhlenmenschen sind wir heute noch ausgestattet. Das erklärt, weshalb wir auf positive Erlebnisse nur mit einem kleinen Kick reagieren und sich der Grad der Zufriedenheit einige Zeit danach von dem vorherigen kaum unterscheidet.

Doch im Vergleich zu unseren Vorfahren ist unser Leben heute nicht mehr kurz und voller Gefahren sondern lang und voller Annehmlichkeiten, die es gestatten, Wohlgefühle zu genießen.

Im Gegensatz zu psychoanalytisch geprägten Modellen vertritt die “positive Psychologie” daher einen anderen Umgang mit dem Gefühlshaushalt; so führt das häufige Herauslassen von Ärger und Wut nicht dazu, dass es dem Betreffenden besser gehe; vielmehr werden die Verknüpfungen im Hirn, die für Ärgern zuständig sind, mit jedem Schub gefestigt, so dass das Ärgern immer besser gelingt. Diese Eigenschaft des Gehirns kann man sich zu nutze machen, in dem man umgekehrt ein Trainingsprogramm zum Glücklichsein absolviert.

Arzt und Kabarettist Eckhart von Hirschhausen gibt in seinem Glücksbringer-Kabarett-Programm folgende Glücks-Trainings-Tipps:

  • 1. Glückstagebuch führen, d. h., jeden Abend fünf Dinge aufschreiben, die gut gelaufen sind und über die ich mich gefreut habe.
  • 2. Dankbarkeit zum Ausdruck bringen und Freundschaften pflegen und stärken. Wer anderen etwas Gutes tut, tut sich selbst etwas Gutes.
  • 3. Investiere mehr in Erlebnisse, materielle Güter verlieren schnell ihren Reiz und an Wert.
  • 4. Bildung macht glücklich- deshalb höre nicht auf zu lernen und bleibe immer bestrebt, Neues zu erfahren und neue Fähigkeiten zu erlernen. Unser Glückssystem gleicht einem Lernsystem.
  • 5. Bewegung: täglich eine halbe Stunde spazieren gehen reicht bereits aus, um unsere Stimmung positiv zu beeinflussen.
  • 6. Ganz wichtiger Glücksfaktor: Sinnhaftigkeit: Das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun oder zu etwas Sinnvollem beizutragen, macht glücklich. Der Einsatz lohnt sicht und eingesetzte Energie kommt vielfach zurück.

Doch trotzt allem Streben nach Glück, in einem sind sich Glücksforscher wie Philosoph Wilhelm Schmid und Eckart von Hirschhausen einig: Man kann nicht immer glücklich sein. Lebenskunst besteht darin, auch Krankheit und Vergänglichkeit zu akzeptieren und sich mit dem Unabänderlichen anzufreunden.

Quelle: Das Wochenendmagazin der Rhein Main Presse, 16.02.2008. Britta Gürke: “Glückliche frisst der Säbelzahntiger

Ergänzend zum Thema siehe auch Artikel hier im Blog “Positive Grundeinstellung”

und Artikel: Die Glücksfrage Interview: Juliane von Mittelstaedt | © ZEIT Campus 01/2008

Abgelegt unter: Für Sie gelesen, Coaching & Consulting — Dr. Brigitte Wolter @ 12:20

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