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5 Coaching-Irrtümer

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Coaching-Irrtümer

Fünf Coaching-Irrtümer und wie Sie damit aufräumen.

Kaum ein Begriff aus der Beratung bietet so viel Stoff für Missverständnisse wie Coaching. Die einen sehen darin eine hochentwickelte Fähigkeit, Menschen bei persönlichen und beruflichen Problemen zu unterstützen, die anderen einen Sammelbegriff für jede x-beliebe Art von Beratung, Training, Schulung, Gespräch oder Dienstleistung wie z. B. Steuer-Coaching, Event-Coaching, Immobilien-Coaching, Sales-Coaching etc. Coaching-Irrtümer sind vorprogrammiert. Wer sich näher mit dem Thema Coaching befasst, wird feststellen, dass zwischen professionellem Coaching und Pseudo-Coaching ein himmelweiter Unterschied besteht. Seit etwa 15 Jahren hat sich international und national ein Professionsverständnis von Coaching herausgebildet, das ganz klar Coaching zu anderen Beratungsformen und Dienstleistungen abgrenzt. 

Wo Schatten ist, ist Licht.

Die Konfusion rund um das Thema Coaching hat sehr schnell dazu geführt, dass sich professionelle Coaches in Verbänden organisiert und Professionsstandards für Coaching und Coachingausbildungen festlegt haben. Als einer der ersten Coachingverbände in Deutschland ist der 2004 gegründete “Deutscher Bundesverband Coaching e.V. (DBVC)” ein gutes Beispiel dafür. Dank der Arbeit dieses Verbandes und andere Coaching-Verbände wissen wir heute, was unter professionellem Coaching zu verstehen ist. Wer einen Coach sucht oder Coach werden will, kann heute auf geprüfte Qualitätskriterien und Checklisten zurückgreifen; Coaching-Verbände oder Coaching-Portale liefern umfassendes Informationsmaterial dazu.

Kompendium mit den Professionsstandards des DBVC 4. Auflage 2012

Kompendium mit den Professionsstandards des DBVC 4. Auflage 2012

Gut informierte Coaching-Kunden und professionelle Coaching–Anbieter wissen, was professionelles Coaching bedeutet und was sie voneinander zu erwarten haben. Mit Klischees und Vorurteilen gegenüber Coaching gehen sie gelassen um. Nicht so gut informierte Personen bzw. Coaching-Laien sitzen hingegen so manchen Coaching-Irrtümern auf, die sich trotz aller Aufklärungsbemühungen hartnäckig halten. Nachfolgend die fünf häufigsten Coaching-Irrtümer:  

Nr. 1 der Coaching-Irrtümer: „Coaching ist Beratung.“

Streng genommen ist diese Aussage kein Irrtum. Denn Coaching ist eine spezielle Form der Beratung, jedoch eine, bei der keine Ratschläge gegeben werden. Treffender könnte man sagen: Coaching ist Beratung zur Selbst-Beratung bzw. Hilfe zur Selbst-Hilfe. Der Klient / die Klientin reflektieren mit Unterstützung des Coachs ihre beruflichen und privaten Themen und erarbeiten ihre eigenen Lösungen. Diese wirken viel nachhaltiger und intensiver als wenn sie vorgegeben würden. Sicher kann es vorkommen, dass im Rahmen eines Coachings der Coach als Experte für ein Thema um einen Rat gebeten wird. Ein professioneller Coach wird jedoch darauf hinweisen, in welcher Rolle -“Coach” oder “Berater/in”- er sich gerade bewegt. Ansonsten bedeutet Beratung als Experte in einem Fachgebiet Lösungen vorgeben. Ein Finanz-Coach z. B. ist daher kein Coach im eigentlichen Sinne, sondern ein Finanzexperte, der sich mit Vermögensganlagen auskennt, seine Kunden dazu berät, d. h. ihnen Lösungsvorschläge macht.

Nr. 2 der Coaching-Irrtümer: „Der Coach sagt mir, was ich tun muss.“

Wer dem ersten Irrtum aufgesessen ist, erliegt auch dem zweiten und erwartet vom Coach, dass dieser sein Problem diagnostiziert und ihm dann sagt, was zu tun ist. Umso größer die Enttäuschung, wenn der Coach im Erstgespräch die Erwartungen des Klienten/der Klientin dahin gehend klärt, dass er keine Lösungen auf dem Tablett servieren wird. Als nach dem Hilfe-zur-Selbsthilfe-Prinzip arbeitender Coach wird er vielmehr aufmerksam zuhören, Annahmen treffen, diese immer wieder überprüfen, um wirksam intervenieren zu können. Dabei wird er Fragen stellen, um den Klienten/die Klientin dazu anzuregen, die passende Lösung bei sich selbst zu finden. Die Zielrichtung von Coaching ist demnach das Lernen aus Erleben und Erkenntnis, das Klären und Mildern von leichten Störungen, das Wecken von Motivation, das Fördern und Begleiten von Veränderungs- und Selbsterkenntnisprozessen.

Coaching-Anlass muss nicht immer ein konkretes Problem sein. Mitunter wird ein Coach als Reflexions- und Sparring Partner gebucht. Gerade im Management wird dieser ergebnisoffene, vertrauliche Gedankenaustausch sehr geschätzt.

Nicht immer das richtige Format.

Ein Coaching ist kein Spaziergang. Es fordert und fördert, kostet Zeit, Energie und Investment. Coaching eignet sich daher auch nicht für jeden. Wer sich für ein Coaching interessiert, sollte vorher prüfen, ob Coaching das passende “Beratungs-Format” ist. Ein Coachability-Test gibt Aufschluss. 

Nr. 3 der Coaching-Irrtümer: Grenzwertig: „Coaching ist eigentlich Therapie.“

Für viele ist eine Therapie mit ihrem Selbstbild nicht vereinbar. Coaching erscheint als das geringere Übel, zumal Coaching im beruflichen Umfeld etabliert und akzeptiert ist. So wird ein Coach hin und wieder mit Fällen konfrontiert, die sich in der Grauzone von Coaching und Therapie ansiedeln. Das können fortgeschrittene Burn-Out-Fälle sein, depressive Störungen, Angst- und Zwangsstörungen und / oder Suchtproblematik. In all diesen Fällen ist Coaching der falsche Weg. Das Coachen am Abgrund kann für den Klienten/die Klientin und den Coach gefährlich sein. Der Coach ist hier in einer besonderen Verantwortung.

Um es klarzustellen:

Unter Psychotherapie versteht man die Behandlung von psychischen und körperlichen (psychosomatischen) Störungen und Krankheiten durch den gezielten Einsatz psychologischer Techniken (seelische Mittel) unter bewusster Nutzung der Arzt- / Therapeuten – Patientenbeziehung. Coaching hingegen bezieht sich nicht auf Heilung von psychischen Störungen; Coaching ist nicht symptomorientiert, sondern zielt darauf ab, die vorhandenen Ressourcen bewusst zu machen, zu aktivieren und Lösungen herbeizuführen. Coaching setzt außerdem eine intakte Selbststeuerungskompetenz oder einfach ausgedrückt, psychische Gesundheit des Klienten/der Klientin voraus. Der Coach sollte daher eine gewisse psychologische Kompetenz haben, um erkennen zu können, wann eine Störung / ein Problem Krankheitswert und er den Fall an eine/n Therapeuten/ Therapeutin besser abzugeben hat.

Nr. 4 der Coaching-Irrtümer: „Wer nichts wird, wird Coach.“

Da sich jeder Coach und Berater nennen kann, mag an diesem Vorurteil ein Körnchen Wahrheit dran sein. Der Begriff Coach ist nicht geschützt, so dass es selbsternannte Coaches wie Sand am Meer gibt und jeder glaubt, coachen zu können. Gemäß dem geltendem Professionsverständnis wird von professionellen Coaches eine mindestens einjährige professionelle Coaching-Ausbildung, Berufs- und Führungserfahrung, ein hohes Niveau an interdisziplinärem Wissen z. B. in Betriebswirtschaft, Management, Psychologie, Systemtheorie, Didaktik, Philosophie etc. und eine weit entwickelte Persönlichkeit vorausgesetzt. Ein professioneller Coach weist ein Coaching-Konzept vor, das seinen Coaching-Ansatz, die von ihm eingesetzten Methoden und Techniken sowie seine ethische Haltung beschreibt. Beim Erstgespräch wird er dieses Konzept, seine Haltung und seine Arbeitsweise erklären sowie Vertraulichkeit und Neutralität zusichern.

Ein professioneller Coach zeigt keinen missionarischen Eifer, noch gibt er sich “allwissend”. Sein Bestreben ist es, sich so gut es geht in die Situation seines Klienten hineinzuversetzen und aus dieser Position heraus die Weiterentwicklung des Klienten anzustoßen.

Fazit: Wer ein professioneller Coach werden will, braucht Lebens- und Berufserfahrung, “Reife”, Expertise und die Motivation, sehr viel dazu zu lernen und das über die Coachingausbildung hinaus. Viele mögen sich Coach nennen oder sich zum Coach berufen fühlen, befähigt sind sie deshalb noch lange nicht. Coach werden zu wollen, weil keine andere Alternative in Sicht ist, führt zum Scheitern. Dafür sorgt der Coaching-Markt.

Nr. 5 der Coaching-Irrtümer: „Coach kann man in einer Woche werden.“

Wie viel Ausbildung braucht ein Coach? In Expertenkreisen besteht die Auffassung, dass eine Coaching-Ausbildung mindestens 150 Stunden Unterricht beinhaltet und das mindestens über ein Jahr verteilt. Wie ein guter Wein nicht in einer Woche reift, so braucht auch ein angehender Coach zwischen den Unterrichtsmodulen Zeit zur Reflexion und Nachbearbeitung des Unterrichtsstoffes. Außerdem kann er sich in den unterrichtsfreien Zeiten in Peergroups mit anderen Teilnehmern des Kurses treffen, um Coachingtechniken einzuüben. Zeit wird auch benötigt, um das Coaching-Konzept zu entwickeln. Da es (noch) keine Berufsordnung bzw. Ausbildungsordnung für Coaches gibt, findet man auf dem Coachingmarkt alle nur denkbaren Formate für Coachingausbildungen von einwöchigen Crashkursen bis zu mehrjährigen Langzeitausbildungen. Bevor man sich für eine Coaching-Ausbildung entscheidet, sollte klar sein, wozu die Coaching-Kompetenz benötigt wird. Wer beabsichtigt, über kurz oder lang als selbständiger Coach zu arbeiten, kommt um eine solide Ausbildung, die die Mindestanforderungen (s. o.) erfüllt, nicht herum. Um ganz sicher zu sein, absolviert man eine von einem serösen Coaching-Verband anerkannte Ausbildung. Kurzzeitausbildungen mögen Techniken vermitteln, aber Coaching-Profession entwickeln sie nicht.

Foto: unsplash.com by Martin Wessely (bearbeitet mit wortwolke.com)

PS: Vielleicht interessiert Sie auch dieser Artikel: An alle, die coachen lernen wollen, aber noch wissen wie.

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– Vielen Dank für eine kurze Erwähnung oder Weiterleitung dieses Beitrags!
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