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Charisma im Management

Charisma im Management

Charisma im Management

Was ist Charisma?

Der Duden weist Charisma vieldeutig u. a. als „Gnadengabe“ und „besondere Ausstrahlung eines Menschen“ aus. Charisma ist demnach feinstofflicher Natur. Gleich einem Polarlicht bezieht es seinen Reiz daraus, dass es nur unter bestimmten Umständen in Erscheinung tritt. Weder lässt es sich greifen, konservieren, noch kann es bewusst herbeigeführt werden.

Mit Charisma lässt sich vieles leichter, ohne es deutlich zäher erreichen. Die Bedeutung von Charisma liegt jedoch nicht im eigenen Vorteil. Sein tieferer Sinn liegt darin, dass es sich positiv auf andere Menschen und die Umwelt auswirken kann. Denn charismatische Menschen sind nach heutigem Verständnis Visionäre im guten Sinne.

Machtgier, Kriegstreiberei, jede Form von (Selbst-) Ausbeutung, Unterdrückung, Fanatismus und Narzissmus schließen nach dieser Auffassung Charisma aus. Da jeder Mensch anders ist, gibt es auch nicht das eine Charisma. Jedes Charisma ist so facetten-und farbenreich wie der aus vielen Erfahrungen gewobene Lebensteppich eines Menschen, wobei Charisma nicht unbedingt eine Frage des Alters ist.


Wer Macht hat, ist deshalb noch lange nicht charismatisch.


 

Charismatische Menschen faszinieren oft durch folgende Eigenschaften:

  • Sie strahlen natürlich Autorität aus.
  • Ihre Haltung gibt Orientierung.
  • Der Umgang mit ihnen wirkt inspirierend.
  • Sie denken und handeln ganzheitlich.

Charisma im Management.

Angesichts häufiger Negativschlagzeilen könnte man den Eindruck gewinnen, dass charismatische Persönlichkeiten in Wirtschaft und Politik eher selten anzutreffen sind. Eine verzerrte Wahrnehmung? Vielleicht führen diese Fragen weiter: Was muss geschehen, damit Menschen mit großer Verantwortung wie Manager/innen und Politiker/innen als charismatisch angesehen werden? Wie wichtig sind charismatische Persönlichkeiten in der heutigen Zeit?


Charisma im Management bedeutet, Vorbild zu sein, Macht verantwortungsbewusst einzusetzen, Entscheidungen ethisch zu hinterfragen und weitsichtig zu treffen.


 

Die Art und Weise wie sich die Welt verändert und an vielen Stellen aus den Fugen zu geraten droht, führt uns vor Augen wie verletzlich das Leben ist und wie unbedachte Entscheidungen irreversible Schäden von globalem Ausmaß anrichten können. Deshalb braucht es an den Hebeln der Macht charismatische Persönlichkeiten, die mit Weitsicht agieren und ganz bewusst Veränderungen anstoßen, die sie hinsichtlich ihrer möglichen Wechselwirkungen auch ethisch reflektiert haben. Das sind Menschen, deren besondere Leistung darin besteht, das große Ganze zu sehen, nicht den schnellen Profit im Auge zu haben, sondern auf Einflüsse zu achten, die langfristig in Sackgassen weisen.

Bedeutet auch, dass sie Feedback und Reaktionen anderer mit in ihre Betrachtungen einbeziehen. Sie kleben nicht am Status Quo, sondern bleiben durchlässig für neue Strömungen und Ideen. Im Kern bleiben sie aber ihrer Linie treu. Zur Inspiration und Reflexion suchen sie sich externe Sparringspartner. Denn es ist ihnen klar: Für komplexe Aufgaben sind mehrere Gehirne vonnöten.


Menschen mit Charisma verstehen sich als Lernende,

nicht als Wissende.


 

Charismatische Führung ist anspruchsvoll.

Die Halbwertszeit von Managern auf Top-Ebene ist in der heutigen Zeit meist kurz. Viele bleiben nur wenige Jahre auf einer Führungsposition, in der sie sich für die nächst höhere Position qualifizieren. Im höheren Management bedeutet das sehr oft, die Organisation schlanker und effizienter zu hinterlassen, als man sie vorgefunden hat. Die damit einhergehenden Veränderungen stoßen nicht immer auf Gegenliebe. Das “Wie” ist dabei entscheidend.

Denn es ist ein Unterschied, ob die Nachfolger/innen verbrannte Erde vorfinden, oder ein fruchtbares Feld. Jeder Manager, jede Managerin muss daher für sich persönlich die Route finden, wie er/sie ökonomische Erfordernisse mit dem eigenen Welt-und Menschenbild in Einklang bringt und welches Erbe er/sie hinterlassen möchte. Selbstreflektierte, werteorientierte Manager/innen tun sich darin leichter als unreflektierte. Individuelles Coaching zur Selbstreflexion und Supervision ist daher unverzichtbar.


Charisma im Management

Die Qualität von Management und Führung steht und fällt mit einer werteorientierten, ethisch ausgerichteten Grundhaltung. Wer sie kultiviert, strahlt Souveränität aus, wer nicht, erzeugt Unsicherheit und Verwirrung. 


 

Charismatische Führung ist systemische Führung.

Die zunehmende Komplexität in nahezu allen Lebensbereichen erfordert zwingend eine systemische Sichtweise auf die Unternehmensvision und -ziele.


Management und Führung werden mehr und mehr zu einer „feinstofflichen Mission”, bei der es darauf ankommt, bewusst und achtsam Impulse zu setzen, um dauerhaft positive Resonanzen in allen Systemen zu erzeugen.


Entscheidungen müssen auf Umweltverträglichkeit und soziale Verträglichkeit hin überprüft werden und zwar weit über die eigenen Wirkungszonen hinaus. Dazu brauchen wir Menschen, zu deren Kernkompetenz es zählt, in Wechselwirkungen denken zu können und die sich bewusst sind, dass alles mit allem zusammenhängt.

Digitalisierung revolutioniert alles.

Die fortschreitende Digitalisierung stellt zudem das Verständnis von Management und Führung auf den Kopf. Hierarchien in Unternehmen geraten ins Wanken. Zurzeit erleben wir eine Gemengelage von hierarchischer Führung nach altem Muster bis hin zu Managementsystemen à la Holokratie, die auf Selbstorganisation, Partizipation und Transparenz auf allen Ebenen setzen, sich aber noch im Experimentierstadium befinden. Mit Lichtgeschwindigkeit fegt der digitale Wandel um die Welt und wirft drängende Fragen auf, als da wären:

  • In welcher Welt wollen wir leben?
  • Welche Welt hinterlassen wir unseren Nachkommen?
  • Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus?
  • Welche Rolle wird Führung in der Zukunft spielen?
  • Nach welchen Kriterien sollen künftig Management- und Führungspositionen besetzt werden?
  • Welche Fähigkeiten und Eigenschaften müssen die Impulsgeber/innen von Morgen schon heute entwickeln, damit sie in der VUCA* – Welt führen können?
  • Wie bereiten wir unsere Nachkommen optimal auf die VUCA*-Welt vor?

*VUCA = Akronym für “Volatility”, “Uncertainty”,”Complexity”, “Ambiguity”. Das Akronym VUCA beschreibt eine Welt voller Veränderungen, Unwägbarkeiten, Komplexität und Widersprüche. (siehe auch  Heinz Peter Wallner, Kurt Völkl , 2017, FOKUS SELF-LEADERSHIP. Gesunde und wirkungsvolle Selbstführung in Zeiten hoher Komplexität, Edition Summerhill.)

Das bringt uns zu der Frage:

Ist Charisma im Management lernbar?

Wer auf eine einfache Anleitung gehofft hat, wird nun enttäuscht sein. Denn die gibt es nicht. Charisma ist ein besonderer Aggregatzustand, in dem auch charismatische Menschen sich nicht immer befinden. Charisma zeigt sich absichtslos und ganz natürlich. Wer Charisma haben möchte, sollte diesen Wunsch daher am besten gleich ganz vergessen. Die Wahrscheinlichkeit, Charisma zu entwickeln steigt jedoch mit der Bereitschaft, aktiv die eigene Entwicklung voranzutreiben und nie aufzuhören zu lernen. Überhaupt sollte es für jeden Menschen Ziel sein, seine Potenziale zum eigenen und zum Wohl aller zur Entfaltung zu bringen. Mit anderen Worten: “Leuchte in Deinen Farben”.

Executive Development – Vom Bewerten zum Bewirken.

Programme zur Weiterentwicklung von Führungskräften bzw. Managern und Managerinnen verfolgen heute einen ganzheitlichen Ansatz. Denn je weiter der Blick wird, desto souveräner und gelassener gelingt der Umgang mit Komplexität. Dabei spielen Werte, systemisches Denken und Kommunikation eine zentrale Rolle. Noch so ausgefeilte Tools und Techniken können keine Haltung ersetzen, die Resonanz erzeugt und Menschen mitnimmt. Haltung ist der mit Abstand wichtigste Charisma-Faktor. Die Stationen auf dem Weg zu mehr Wirkung und positiver Resonanz bzw. Charisma im Management sind:

  1. Werte reflektieren
  2. In Wechselwirkungen – systemisch – denken lernen
  3. Kommunikation optimieren
  4. Selbstfürsorge praktizieren

Werte reflektieren. 

Was ist mir wichtig? Was ist wichtig in dieser Situation, bei dieser Aufgabe? Welche persönlichen und beruflichen Werte leiten mein Handeln? Was treibt mich an? Wie stimmig ist mein Leben? Antworten auf diese und ähnliche Fragen zum Selbstkonzept fallen unreflektierten Menschen meist schwer.


Wie soll jemand Entscheidungen mit Tragweite treffen oder Statements abgeben, wenn er selbst keine Klarheit dafür hat, wo und wofür er steht? Welche  Wirkung geht von solchen Menschen aus?


Auch Menschen, die sich ihrer Werte bewusst sind, brauchen hin und wieder Impulse, um ihre Werte zu überprüfen. Veränderungen äußerer Umstände erfordern immer wieder ein neues Austarieren und Ausbalancieren der Werte, um im Gleichgewicht zu bleiben. So kann auch ein starres Festhalten an einem Wert dazu führen, dass dieser seine positive Wirkung verliert. Beispielsweise würde eine einseitige Fokussierung auf den Wert “Profit” ohne den regulierenden Wert “Nachhaltigkeit” früher oder später schädlich wirken. Das heißt, viele Werte brauchen gegensätzliche Werte, die sie im Gleichgewicht halten und vor der Entwertung bewahren.

Werte wirken – Werte-Reflexion ist ein lebenslanger Prozess.

In Wechselwirkungen – systemisch – denken lernen.

Reflexionsangebote, die auf Wirkung abzielen und nicht auf Ergebnisse, stimulieren in erfrischender, mitunter verstörender Weise das Denken. Denn für viele ist Denken in Wechselwirkungen ungewohnt und befremdlich. Direkt von A nach B zu denken ist wesentlich einfacher als seine Gedanken kreuz und quer auf die Reise zu schicken, um eine Situation auzuloten. Es erfordert ein gewisses Maß an Gehirnakrobatik um systemisch zu denken.  Wer es sich jedoch zur Gewohnheit macht, die Dinge stets auch von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten, wird zu neuen Erkenntnissen kommen.

Maßstab ist dabei nicht das Bewerten, sondern das Bewirken. Was bewirkt die Unternehmenspolitik – kurzfristig, langfristig, gesellschaftlich, ökologisch, etc.? Wie wirkt sich was auf wen aus? Welche Wirkung wollen wir sehen? Was erzeugt Störungen im System? Wie passen Wirkungen und Werte zusammen? An welcher Stelle braucht es neue Impulse, um die Wirkung zu erzeugen, die erwünscht ist bzw. mit den Werten im Einklang ist?

Systemisch denken erweitert den Horizont. Wir brauchen weite Horizonte, um besser verstehen und intelligenter handeln zu können.

Kommunikation optimieren.

Jedes Wort, jede Geste, jeder Ausdruck ist Kommunikation und hat Einfluss. Wer werte- und wirkungsorientiert unterwegs ist, kommuniziert auch bewusst, d.h. hört vor allem gut zu. Menschen, die interessiert und aufmerksam zuhören können, sind zudem beliebt. Gutes Zuhören will jedoch gelernt sein. Es verlangt Hinwendung, echtes Interesse und die Kunst, das Gehörte so wiederzugeben, dass der andere sich verstanden und wertgeschätzt fühlt. Daran hapert es meistens. Um wirkungsvoll  zu kommunizieren, muss man auch bereit sein, andere Sichtweisen zuzulassen und durch Zuhörtechniken und (systemische) Fragen herauszufinden, welche das sind.  Mit dem Training von Kommunikationstechniken allein ist es nicht getan. Erst der Dreiklang aus Wertereflexion, Wirkungsbewusstsein und kommunikativer Kompetenz vermag Resonanz erzeugen.

Selbstfürsorge praktizieren.

Selbstfürsorge bedeutet, alles zu tun, damit man sich gut fühlt und sich von allem fern zu halten, was Körper und Psyche schadet. Erst dann ist man auch ein Gewinn für andere und strahlt positive Energie aus. Es ist daher ein Zeichen von Stärke, sich Pausen zu gönnen, regelmäßig zu meditieren, nach kräftezehrenden Geschäftsreisen ein verlängerndes Wochenende zur Regeneration bzw. regelmäßig Auszeiten für Sport und Erholung einzulegen.


Ausstrahlung ist ein Ausdruck von Energie. Erst wenn Körper und Geist im Einklang sind, kann Energie frei fließen. Wer sich stark fühlt, hat mehr Ausstrahlung, als jemand, dessen Körper müde und ausgebrannt ist.


Geistige Beweglichkeit ist genauso wichtig wie körperliche Fitness. Fixierung auf die Arbeit lähmt die Kreativität und macht betriebsblind. Oder umgekehrt: Je vielseitiger das Interesse desto mehr Ressourcen sind verfügbar, um sich auf neue Situationen einzustellen. Eine unabdingbare Fähigkeit in der “VUCA”-Welt (s.o.).

Siehe auch Artikel auf springerprofessionals.de: Führungskraft durch Charisma erzeugen

 

 

 

 

 

 

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