Coaching & Consulting

Haltung muss spürbar sein.

Haltung

Haltung

Coaching kann alles bedeuten.

Was Coaching ist und was nicht, dazu gibt es viele unterschiedliche Auffassungen. Der Begriff ist nicht geschützt, jeder kann sich Coach nennen und Coaching anbieten. Das Resultat sind oft zwiespältige Coach-Klienten-Beziehungen. Eine klare Haltung zu Coaching tut daher Not.

Klartext schafft Klarheit.

Um Missverständnisse in der Coach-Klienten-Beziehung zu vermeiden, ist eine glasklare Transparenz entlang des Coaching-Prozesses unverzichtbar. Wahre Coaching-Profession zeigt sich besonders bei der ersten Annäherung von Coach und Klient. Denn wohl kaum eine andere Situation im Coaching-Prozess erfordert es vom Coach, seine Haltung zu offenbaren wie die in der Phase des ersten Kontaktes mit dem Klienten und wie in der Gestaltung des Coaching-Vertrages.

Nicht umsonst heißt es, dass sich beim sog. Coaching-Erstgespräch die Spreu vom Weizen trennt. Ziel dieses Vorgesprächs ist das unverbindliche Kennenlernen von Coach und Klient und ggfs. des Auftraggebers, falls das Coaching vom Unternehmen finanziert wird. Es stellt für alle Beteiligten die Möglichkeit dar, die Voraussetzungen für ein Coaching zu prüfen. So soll es Klarheit darüber bringen, ob und wann der Coaching-Prozess beginnen soll, mit welchem Ziel, zu welchen Konditionen und zu welchen Rahmenbedingungen. Was sich einfach anhört, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Gradmesser für die Professionalität eines Coachs.

Ohne Haltung hält nichts.

Schnell zeigt sich nämlich, ob ein Coach eine Haltung dazu hat, in welcher Rolle er sich, Klienten und Auftraggeber im Coaching-Prozess sieht und wie er mit den Erwartungen an ihn umgeht. Spätestens wenn Klient und/oder Auftraggeber sozusagen die Gretchenfrage nachdem Coaching-Erfolg stellen bzw. den Coach gar unter Lösungsdruck setzen, muss dieser Flagge zeigen. Gerade coachingunerfahrene Kunden haben nicht selten die Vorstellung, dass der Coach sie bzw. ihre Mitarbeiter/innen einem Heilsbringer gleich mit Ratschlägen und Verhaltensregeln ans Ziel bringt. Coaches, die mangels klarer Haltung in dieser Frage Erfolgsversprechen abgeben, können rasch in die Bredouille kommen. Bleibt nämlich der erwünschte Erfolg aus und wird das gesteckte Ziel nicht erreicht, steht der Coach am Pranger.

Aufklärung ist alles entscheidend.

Ein Coach achtet deshalb darauf, dass alle Punkte angesprochen werden, die für eine gedeihliche Zusammenarbeit wichtig sind. Dazu gehört, dass er Coaching-Neulingen den Unterschied zwischen direktiver Beratung (Rat erteilen) und Coaching (Hilfe zur Selbsthilfe geben) erläutert. Er offenbart seinen Coaching-Ansatz, sein Verständnis über die Rollenverteilung im Coaching-Prozess und seine eigenen Erwartungen an Klienten und ggfs. Auftraggeber. Er stellt unmissverständlich klar, dass er keine fertigen Lösungen serviert, sondern gemäß dem Hilfe-zur-Selbsthilfe-Prinzip im Klienten den Träger der Lösung sieht und dass dieser für seinen Coaching-Erfolg bzw. seine Weiterentwicklung in der Verantwortung steht.

Kein Garant für Lösungen.

An dieser Stelle kann es zu Irritationen bei Kunden kommen, die im Coach mehr den Lösungslieferanten sehen als den Helfer zur Selbsthilfe. Noch größer die Verwunderung, wenn ein Coach weiter erklärt, dass der Coaching-Prozess aufgrund der Dynamik, die sich entfalten kann, im Grunde ergebnisoffen ist und das genannte Ziel allenfalls als roter Faden dient. Nicht alle Kunden bringen Verständnis für diese Art der Beratung auf bzw. akzeptieren den offenen Ausgang eines Coachings.

Im Zweifel Auftrag ablehnen.

Zur professionellen Haltung eines Coachs gehört es daher auch, einen Coaching-Auftrag abzulehnen, wenn von ihm verlangt wird, dass am Ende eines Coaching-Mandats ein ganz bestimmtes Ergebnis stehen soll, an dem der Coaching-Erfolg gemessen wird. Niemand kann vorhersehen, ob und wie sich ein Klient durch das Coaching verändern und welche Auswirkungen das auf ihn und sein Umfeld haben wird. Zu versprechen, dass ein Klient am Ende des Coachings da ankommen wird, wo er gerne hinmöchte oder andere ihn hinhaben wollen, wäre sehr gewagt. Die Erfahrung lehrt, dass jedes Coaching einzigartig ist und keiner Blaupause folgt, mehr noch das Ergebnis mitunter diametral dem ursprünglich anvisierten Ziel entgegenstehen kann.

Das heißt, ein Coaching kann einen Dominoeffekt mit unabsehbaren Konsequenzen im beruflichen und privaten Umfeld eines Klienten auslösen. Solcherlei „Risiken und Nebenwirkungen“ von Coaching im Erstgespräch bei allen Beteiligten anzusprechen, ist ein Zeichen von Seriosität und Professionalität.

Reflexion und Übung machen den Meister.

Die Überzeugungskraft eines Coachs beruht nicht auf einstudierten Gesprächstechniken und fragwürdigen Erfolgsversprechen. Vielmehr ist es sein auf Ethik und Kompetenz beruhender Bewusstseinszustand, der ein Klima des Vertrauens und der Offenheit erzeugt. In seinen Werten und Prinzipien verankert vermag der Coach anderen Klarheit zu vermitteln. Andererseits bewahren ihn Offenheit und Toleranz für andere Wertesysteme davor, Klienten nach eigenen Wertvorstellungen verändern zu wollen.

Fundierte Coaching-Ausbildungen führen ihre Coach-Anwärter/innen daher immer wieder in die Reflexion der eigenen Werte, Überzeugungen und des daraus resultierenden Handelns. Denn nur wer in sich selbst verortet ist, kann nach außen ein klares Bild abgeben. Weiterhin sollten angehende Coaches reichlich Raum zum Üben des Erstgesprächs haben. Denn das fordert sie, Standpunkte zu beziehen, sich zu erklären und abzugrenzen, kurz Haltung zu zeigen. Je öfter das geschieht, desto souveräner wird schließlich der Auftritt.

Eine Entwickungsstufe weiter.

Es geht aber um mehr als das. Am Ende seiner Coaching-Ausbildung sollte der Coach eine Stufe erreicht haben, die ihn befähigt, Welt- und Menschenbilder von Klienten mit Abstand zu betrachten, das heißt losgelöst von eigenen Wertvorstellungen und Prinzipien. Coaching-Ausbildung ist daher weniger Vermittlung von Best Practices, sondern in erster Linie Weiterentwicklung der Persönlichkeit.

Klienten erwarten schließlich Impulse zu ihrer eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Der Coach muss daher in seiner Entwicklung weit gediehen sein, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Denn warum lassen sich Klienten bei all den Unwägbarkeiten, die ein Coaching mit sich bringt, darauf ein? Die Antwort ist einfach: Letztlich entscheidet sich ein Klient nicht für Tools und Techniken, sondern für den Menschen der dahinter steht.

Aus Gründen der Lesbarkeit wird im Text die männliche Form gewählt, es ist jedoch immer auch die weibliche Form mitgemeint.